Marienehe. Die Rostocker Tafel ist im Umbruch: Der gemeinnützigen Organisation steht demnächst ein großer Umzug bevor. Die Büros und die Sammelstelle sollen zukünftig in Reutershagen ihren neuen Sitz in der Walter-Stoecker-Straße beziehen. Möglich sei dies auch Dank der Spenden der OZ-Leser, die bei der Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ kräftig gespendet haben. „Wir warten allerdings noch auf das Okay der Gewerbestelle, denn die Umnutzung der Räume muss erst bestätigt werden“, sagt Vera Pürckhauer, Geschäftsführerin der Rostocker Tafel gGmbH.

Großer Schaden im Fischereihafen

Dass es höchste Zeit ist, das marode Gebäude im Fischereihafen zu räumen, hatte sich zuletzt am Freitag gezeigt. „Dort ist einfach die Decke heruntergekommen. Zum Glück ist niemandem etwas passiert“, erklärt die Tafel-Chefin. Vor gut zehn Jahren sei von dem damaligen Verein der Rostocker Tafel eine Zwischendecke in den rund sieben Meter hohen Raum eingezogen worden. Nun sei ein Teil dieser Deckenplatten heruntergefallen und der Zutritt zur Sammelstelle der Tafel gesperrt. Es herrscht Ausnahmezustand. „Momentan sortieren die Ehrenamtlichen die Lebensmittel in den Ausgabestellen. Es ist eine besondere Herausforderung“, erklärt Rolf Gauck, Sprecher der Rostocker Stadtmission.

Alle Platten der Zwischendecke werden gerade abgenommen. „Wir haben schnell eine Firma gefunden, die sich darum kümmert“, erzählt Vera Pürckhauer. Sie hofft, dass die Räume in den nächsten Tagen wieder begehbar sind. „Wir untersuchen gerade, woran es gelegen hat.“ Auf der Baustelle ist man der Meinung, dass die provisorisch gekürzten Drahtseile, an denen die Zwischendecke befestigt wurde, an Spannung verloren haben.

Doch auch wenn dieser Schaden momentan für Kummer sorgt, ist er nicht der Grund für den geplanten Umzug. „Das Gebäude ist insgesamt sehr marode, die sanitären Anlagen sind veraltet und gerade im Winter ist es sehr kalt für die ehrenamtlichen Helfer“, zählt die Tafel-Chefin auf. Außerdem habe der Fischereihafen Interesse bekundet an dem großen Gebäudekomplex in attraktiver Lage. „Sie wollen das Filetstück natürlich sanieren und nutzen“, erklärt Vera Pürckhauer. Momentan sei die Tafel dort einzig verbliebene Mieter.

Neue Sammelstelle in Reutershagen

Etwa ein dreiviertel Jahr habe die gemeinnützige GmbH daher nach einem neuen Sitz gesucht. Mit einer ehemaligen Sammelstelle der Post habe man die ideale Lösung gefunden. Nur die Kistenwäsche und die Reinigung der Fahrzeuge soll vorerst im Fischereihafen bleiben. Sie soll in der neuen Zentralküche in Roggentin untergebracht werden, die die Rostocker Stadtmission Anfang 2019 bauen möchte.

Die rund 450 Quadratmeter großen Räumlichkeiten für die neue Sammelstelle in Reutershagen liegen zentral, ebenerdig und sind gut angebunden. Doch es soll noch ein Umbau stattfinden, damit sie den Anforderungen für die Sortierung entsprechen. „Das wird noch einmal einige Zehntausende Euro kosten“, so die Tafel-Chefin.

Rostocker Tafel dankt OZ-Lesern

Kein einfaches Projekt für die gemeinnützige Organisation, die auf Spenden angewiesen ist. Möglich ist dies vor allem auch Dank der großen Weihnachts-Aktion der OSTSEE-ZEITUNG „Helfen bringt Freude“. Im vergangenen Jahr konnten OZ-Leser hier zugunsten der Rostocker Tafel spenden. Mehr als 60 000 Euro sind dabei zusammengekommen. „Das ist wirklich eine grandiose Summe. Da sieht man, was über so viele Kleinspenden möglich ist“, sagt die Geschäftsführerin der Rostocker Tafel. Insgesamt haben 682 Menschen für die Tafel gespendet. Dabei lagen Einzelbeträge zwischen fünf und 400 Euro. „Wir sind dafür sehr dankbar. Es zeigt die tolle Verbundenheit der Menschen zur Rostocker Tafel“, sagt Vera Pürckhauer. Die Tafel sei stets auf Spenden angewiesen. Hier gehe es nicht nur um den Alltag, den die gemeinnützige Organisation stemmen muss.

Doch auch einen weiteren Traum kann sich die Tafel jetzt erfüllen. „Wir wollen jetzt endlich den ältesten Transporter von 2008 austauschen“, sagt Vera Pürckhauer froh. Trotz Zuschuss würde so ein Kühltransporter mehr als 30 000 Euro kosten. „Wenn wir Glück haben, kommt der neue Wagen noch zum Ende des Jahres“, sagt die Tafel-Chefin.

„Vielen Spendern konnten wir eine Spendenbescheinigung für die Steuer und einen Dankesbrief zuschicken“, sagt der Sprecher der Stadtmission. Doch die Adressen von rund 44 Spendern, die mehr als 100 Euro gegeben haben, konnte man nicht ausfindig machen. „Diese können sich auch jetzt noch bei uns melden“, betont Gauck.

von Johanna Hegermann


Freud und Leid bei der Tafel