Gemeinnütziger Verein unterstützt etwa 1300 Menschen mit bis zu fünf Tonnen Lebensmitteln täglich

Stefan Menzel NNN Rostock, 28.05.2019

„Schöner wäre es, wenn wir die Fahrzeuge nicht bräuchten“, sagt der Verkaufsleiter für Transporter vom Autohaus Sternauto, Jens Wichmann, gestern bei der Übergabe des neuen Kühlfahrzeuges an die Rostocker Tafel. Doch leider werde die Organisation in der aktuellen Gesellschaft benötigt. „Der schmale Trost ist, dass wir mithelfen können“, sagt Wichmann.

Möglich wurde die Neuanschaffung durch eine 10 000-Euro-Spende der Rostocker Lidl-Supermärkte. Deren Kunden hätten laut Fred Kretschmann, Beauftragter für Soziales beim Lebensmittelkonzern, bei der Abgabe ihres Flaschenpfands auf einen speziellen Spendenknopf gedrückt und damit die Geldspende ermöglicht. Das Projekt gebe es bereits seit 2018. „Unsere 91 Märkte in MV geben täglich Lebensmittel an die Tafel ab. Das ist die wichtigste Hilfe“, sagt Kretschmann. Und die ist für die etwa 1300 Bedürftigen in Rostock dringend nötig: „Wir brauchen immer mehr Unterstützung“, sagt Beate Kopka, Leiterin der Rostocker Tafel.

Bis zu acht Tonnen Lebensmittel sammelt der gemeinnützige Verein mit fünf Fahrzeugen täglich bei etwa 100 Supermärkten ein. „Es wäre schön, wenn es die Tafel nicht geben müsste“, sagt Kopka. Jedoch sei die Nachfrage gleichbleibend hoch. Kopka ist auch froh, dass dank der Abholung weniger Lebensmittel weggeschmissen werden und diese einen guten Zweck erfüllen.

IM TEAM UNTERSTÜTZEN JENS WICHMANN (L.) UND FRED KRETSCHMANN (R.) DIE ROSTOCKER TAFEL UND DEREN LEITERIN BEATE KOPKA. (Foto MENZ/ NNN)

Von manchem gestressten Supermarkt-Mitarbeiter erhofft sie sich et- was mehr Wertschätzung bei der Abholung: „Wir holen zwar die Reste, gehören aber nicht zum Rest der Gesellschaft.“ Außerdem würden dank der Abholung durch die Helfer der Tafel auch die Entsorgungs- kosten der Einkaufsläden reduziert. Von den eingesammelten bis zu acht Tonnen sortieren etwa 20 Mitarbeiter täglich bis zu drei Tonnen Lebensmittel aus, weil sie Menschen nicht mehr angeboten werden könnten. Den dadurch anfallenden Bioabfall holt ein Bauer zur Verfüt- terung ab.

Bedürftige können sich nach einer Registrierung und dem Erhalt einer Nummer bei einer von 18 Ausgabestellen in Rostock Lebensmittel ab- holen. „Die Nummern rotieren, damit auch jeder mal eine etwas grö- ßere Auswahl hat“, sagt Kopka. Ohne die 175 ehrenamtlichen Helfer wäre eine Lebensmittelausgabe jedoch nicht möglich, betont sie.


Tafel erhält Kühlfahrzeug