Umzug in nur drei Wochen: Tafel hat eine neue Zentrale

Von Gerald Kleine Wördeman, Ostseezeitung 4.01.2019

Lebensmittel werden in Schutow sortiert / Vermieter ist der Oberbürgermeister

Schutow | Es ist geschafft: Nach nur drei Wochen Umbauzeit ist die Rostocker Tafel in ihre neue Zentrale in Schutow umgezogen. Am Mittwoch feierten Helfer, Mitarbeiter und Freunde an der neuen Adresse, dass alles reibungslos geklappt hat. „Ich hoffe, dass das der letzte Umzug war. Noch mal möchte ich das nicht machen“, sagte Betriebsleiterin Beate Kopka.

Es war der zweite Ortswechsel innerhalb von anderthalb Jahren. Am alten Standort in der Walter-Stöcker-Straße in Reutershagen fehlte es vor allem an Platz. Die Räume waren zu klein. Mangels Stellflächen mussten die Laster abends im Fischereihafen parken und es gab Probleme mit den Nachbarn. „Einigen Bürgern waren wir wohl ein Dorn im Auge“, erzählt Beate Kopka, sichtlich erleichtert, dass das nun vorbei ist.

Neuer Vermieter ist laut Fördervereinsvorsitzender Jana Röper Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos). „Claus hat uns schon immer sehr unterstützt“, sagt sie. Die Miete ist günstig. Ohne die schnelle Hilfe wäre es schwierig geworden, etwas zu finden. „Die Mieten sind überall hoch, das können wir uns nicht leisten“, erklärt Betriebsleiterin Kopka. 2500 Quadratmeter Fläche haben die Essensverteiler nun für ihre Arbeit zur Verfügung, in dem Gewerbegebäude lagerte vorher der benachbarte Bike Market seine Fahrräder. Nun stehen hier deckenhohe Regale, Sortiertische, endlose Stapel gefalteter Lebensmittelkisten und die beiden Kühlräume, einer davon so groß wie eine Garage.

Die Laster können nun auf dem großen Hof parken, das nervenaufreibende Hin- und Hergefahre zwischen verschiedenen Standorten ist nun vorbei. Später soll auch die Kistenwaschanlage einziehen. Die steht noch im Fischereihafen. Die Tafel hat sich bei Lidl um eine Förderung für eine neue Anlage beworben. Wenn alles klappt, werden die Kisten nach Gebrauch demnächst in Schutow gewaschen – in Sichtweite von Ikea, Netto und Möbel Wikinger. 175 ehrenamtliche Helfer arbeiten bei der Tafel, sechs davon bekommen für ihre Tätigkeit Geld, unter anderem durch Beschäftigungsprogramme vom Jobcenter.

Trotz sinkender Arbeitslosigkeit stieg die Zahl der Kunden, wie die Lebensmittelabholer genannt werden, mit derzeit 1200 in jüngerer Zeit leicht. Grund sind neue Ausgabestellen, eine davon ist in der Südstadt. 16 Ausgabestellen gibt es insgesamt, verteilt über das Stadtgebiet. Insgesamt profitieren rund 5000 Menschen von einem volleren Kühlschrank dank der Tafel-Lebensmittel. Viele Kunden haben Familie. Voraussetzung dafür, sich an einer Ausgabestelle in die Schlange stellen zu dürfen, ist der Warnowpass. Fünf bis acht Tonnen Lebensmittel holt die Tafel täglich von Ros- tocker Geschäften und Firmen ab. In Schutow werden die Waren sortiert und zu den Ausgabestellen transportiert.

Eine der vielen Helferinnen und Helfer, die sich in den vergangenen drei Wochen bei der Renovierung des neuen Stützpunkts ins Zeug legten, ist Filomena Schulz. Die 40-Jährige ist nach einem schweren Verkehrsunfall erwerbsunfähig. Jetzt arbeitet sie ehrenamtlich bei der Tafel mit, unter anderem übernimmt sie Hausmeistertätigkeiten. „Alle haben gut zu tun gehabt, da hat keiner getrödelt“, sagt sie über die Umbauzeit. Die neuen Räumen gefallen ihr sehr gut – endlich gibt es mehr Platz. Ein weiteres Problem am alten Standort waren fehlende Parkplätze für die Mitarbeiter. Das ist am neuen Domizil ebenfalls Geschichte.

Zur Feier am neuen Stützpunkt hatten Rostocker Betriebe mit Essen und Getränken mitgeholfen. Rosto-cker Wurst brachte einen Grillwagen mit, zwei Mitarbeiterinnen servierten Bratwurst im Brötchen. Im Festzelt bauten Bedienstete vom Hotel Warnemünder Hof ein großes Buffet auf – was die Tafel-Helfer nach den ganzen Strapazen der vergangenen Wochen dankbar annahmen.

Umzug in nur drei Wochen: Tafel hat eine neue Zentrale