OZ Rostock, 03.05.2018

Ohne Hunger in den Unterricht: Schüler lernen Frühstück

Projekt versorgt acht Schulen mit gesunder Mahlzeit / Ernährungsberaterin hilft
Woran erkenne ich gutes Mehl? „Wenn da gut und günstig draufsteht“, antwortet ein Schüler. Ein Lachen geht durch den Raum. Das ist natürlich die falsche Antwort. Es kommt auf die Typenzahl an, die auf der Verpackung steht. „Je höher diese ist, desto besser“, sagt Ernährungsberaterin Dana Schmidt von der Universitätsmedizin Rostock. Sie hat gestern Schülern im Förderzentrum am Schwanenteich erläutert, welche Lebensmittel gesund und welche eher ungesund sind. Auch haben die Viert- bis Neuntklässler gemeinsam Gemüse geschnippelt und gesunde Speisen zubereitet.
Hintergrund ist das Frühstücksprojekt „Lernen – aber satt“, eine Gemeinschaftsaktion von Rostocker Unternehmen, Vereinen und Schulen. „Ein ausgewogenes Frühstück hilft Schulkindern, mit Energie in den Tag zu starten. Aber morgens geht es daheim oft hektisch zu. In einigen Familien fällt das Frühstück ganz aus“, sagt Wiro-Sprecher Carsten Klehn. Manchmal sei auch das Geld zu knapp für einen gesunden Pausensnack. Doch gute Ernährung dürfe kein Privileg sein, so Klehn. Die Wiro unterstützt das Projekt daher gemeinsam mit den Stadtwerken Rostock und der Ostseesparkasse. Insgesamt spenden sie 30000 Euro. Es gehe dabei vor allem auch um Aufklärung, so die Unternehmen.

Ehrenamtler aus fünf Vereinen verteilen in acht Rostocker Schulen das gesunde Frühstück: Joghurt, frisch belegte Brote, Gemüse und Obst. Die Förderschule am Schwanenteich ist seit 2010 dabei. „Wir bieten das Schulfrühstück dreimal in der Woche an. Etwa ein Drittel unserer Schüler nutzen das Angebot“, sagt Schulleiterin Ariane Moeck. Die Lebensmittel liefern die Rostocker Tafel und die Bäckerei Never. „Die Schüler sind teilweise lange im Unterricht und brauchen ein ausgewogenes Frühstück, damit sie ausgeglichen, fit und leistungsfähig sind“, sagt Moeck.

Katrin Bechmann von der Rostocker Tafel verteilt das Schulfrühstück seit fünf Jahren in der Förderschule am Schwanenteich. „Das macht sehr viel Spaß und die Kinder sind dankbar“, sagt die Ehrenamtlerin. Was ihr auffällt: „Die Kleinen essen gerne Gemüse, die Großen schieben es eher beiseite.“ Jennifer (11) schmeckt das Schulfrühstück. „Weil es gesund und lecker ist“, sagt die Viertklässlerin. Auch Gene (17) mag das Frühstück. „Hier könnte ich immer essen.“ Was Jennifer gestern überrascht hat: „Ich wusste nicht, dass in Kakao so viel Zucker steckt.“ 80 Prozent beträgt der Anteil – auch wenn auf der Verpackung steht, dass 30 Prozent weniger Zucker enthalten sein sollen. „Dann wurde nur anderer Zucker verwendet“, sagt Ernährungsberaterin Schmidt. Selbst in Säften sei viel Zucker. Und auch im Frucht-Joghurt. Die Alternativen: Selbstgemachte Smoothies und Naturjoghurt mit frischem Obst.

Schmidts Erfahrung: „Kinder wissen oft, was gesund ist und was nicht.“ Die Eltern seien jedoch entscheidende Vorbilder. „Freiwillig essen Kinder nicht so gerne Gemüse, weil es Arbeit macht. Aber wenn man es klein schneidet und hinstellt, wird es auch gegessen“, sagt Schmidt. Sie empfiehlt den Kindern, fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu essen. Doch wie viel ist eine Portion? „Das messt ihr mit euren Händen. In eine Hand passt zum Beispiel ein Apfel – er entspricht also einer Portion“, sagt Schmidt zu den Schülern. Und damit sie die fünf Portionen an einem Tag auch schaffen, sollten sie damit schon zum Frühstück anfangen.


OZ Rostock, 07.04.2018

Ohne das Angebot der Tafel würde ich es nicht schaffen“

Leser diskutieren über Armut und geben Einblicke in den Alltag mit Hartz IV
Die von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU)angestoßene Debatte über Armut und die Höhe von Sozialleistungen hat unter OZ-Lesern eine rege Debatte in Gang gesetzt. Der Widerspruch, den Spahn mit seinen Äußerungen ausgelöst hat, ist groß. „Hartz IV bedeutet nicht Armut“, sagte der CDU-Politiker, kurz bevor er seinen Ministerposten übernommen hatte und fügte hinzu: Diese staatliche Grundsicherung garantiere jedem „das, was er zum Leben braucht“. Doch wie lebt es sich mit 416 Euro? Betroffene berichten von ihrem Alltag auf Facebook.
Birgit Moser schreibt: „Es ist richtig, dass diese 416 Euro viel Geld sind, aber die meisten haben sich diese Arbeitslosigkeit nicht gewünscht.“ Von dem Geld müssten die Empfänger von Hartz IV genauso ihre Fahrkarte, ihren Strom, die Medikamente und vieles andere zahlen wie Normalverdiener, so die Leserin. „Es bleibt nicht viel übrig, und die meisten müssen sich jeden Monat zudem noch auf dem Amt nackig machen. Man kann da schneller reinrutschen, als man denkt.“ Heike Schmitt gewährt indes einen Einblick in ihr Leben. „Ich muss aus gesundheitlichen Gründen von Harz IV leben. Nach allen Abzügen habe ich 200 Euro zum Leben im Monat. Ich habe keinerlei Versicherungen, keinen Fernsehanschluss, kein Festnetztelefon und so weiter.“

Sie sagt, dass sie von den 200 Euro alles bestreiten müsse. Und dass sie nirgendwo Ermäßigungen oder günstigen Eintritt bekomme. „Ohne die Tafel würde ich es nicht schaffen.“

Zissi Zachow erwidert: 416 Euro fürs Nichtstun sei sehr viel Geld. „Ich arbeite zwölf Stunden die Woche und komme dafür auf keine 400 Euro im Monat. Darüber hinaus muss ich noch 60 Kilometer zur Arbeit fahren. Ich habe zehn Jahre in den USA gelebt und kann euch sagen, da bekommen die Erwerbslosen null Cent fürs Nichtstun.“ Sabine Severin findet:

„Hartz IV sollte doch jeder auch nur für eine Hilfe in einer extremen Situation ansehen, bis man wieder einen Job hat. Und davon gibt’s in Deutschland genug. Und vorübergehend wird da viel getan. Man sollte zudem nicht die Miete außer Acht lassen, die die Leute mit Arbeit bezahlen müssen.“ Antje Marsch findet „das Schubladendenken am schlimmsten“. Nach wie vor seien nicht nur viele alleinerziehende Mütter auf Hartz IV angewiesen, sondern auch Saisonarbeiter. Und in manchen Berufen reiche der Mindestlohn trotzdem nicht für die ganze Familie. „Und wer denkt an die vielen Aufstocker, die nach Feierabend ihre Anträge ausfüllen, Wohngeld und Teilhabe beantragen und am Wochenende die Bude malern, weil kein Geld mehr für einen Handwerker drin ist?“ Steffen Giertz fragt: „Ist die Aussage von Jens Spahn objektiv nicht richtig? Würden Hartz IV-Empfänger denn hungern, wenn es die Tafeln nicht gäbe?“ Birgit Schuckmann sagt: „416 Euro sind nicht viel. Aber ich würde es sicher nicht für Cola, Cornflakes, Eistee oder Dosengemüse ausgeben. Man kann in Deutschland für wenig Geld gesund essen.“ Ida Pömpel

betont: „Wenn man mehr will, muss man mehr tun. Hartz IV ist nicht dazu gedacht, sich damit sein Leben einzurichten.“ Anja Möller gibt zu bedenken, „dass manche Menschen, die arbeiten gehen, nach Abzug aller Kosten noch weniger zur Verfügung haben.“


OZ Rostock, 20.03.2018

Freud und Leid bei der Tafel

Marienehe. Die Rostocker Tafel ist im Umbruch: Der gemeinnützigen Organisation steht demnächst ein großer Umzug bevor. Die Büros und die Sammelstelle sollen zukünftig in Reutershagen ihren neuen Sitz in der Walter-Stoecker-Straße beziehen. Möglich sei dies auch Dank der Spenden der OZ-Leser, die bei der Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ kräftig gespendet haben. „Wir warten allerdings noch auf das Okay der Gewerbestelle, denn die Umnutzung der Räume muss erst bestätigt werden“, sagt Vera Pürckhauer, Geschäftsführerin der Rostocker Tafel gGmbH.
Großer Schaden im Fischereihafen
Dass es höchste Zeit ist, das marode Gebäude im Fischereihafen zu räumen, hatte sich zuletzt am Freitag gezeigt. „Dort ist einfach die Decke heruntergekommen. Zum Glück ist niemandem etwas passiert“, erklärt die Tafel-Chefin. Vor gut zehn Jahren sei von dem damaligen Verein der Rostocker Tafel eine Zwischendecke in den rund sieben Meter hohen Raum eingezogen worden. Nun sei ein Teil dieser Deckenplatten heruntergefallen und der Zutritt zur Sammelstelle der Tafel gesperrt. Es herrscht Ausnahmezustand. „Momentan sortieren die Ehrenamtlichen die Lebensmittel in den Ausgabestellen. Es ist eine besondere Herausforderung“, erklärt Rolf Gauck, Sprecher der Rostocker Stadtmission.
Alle Platten der Zwischendecke werden gerade abgenommen. „Wir haben schnell eine Firma gefunden, die sich darum kümmert“, erzählt Vera Pürckhauer. Sie hofft, dass die Räume in den nächsten Tagen wieder begehbar sind. „Wir untersuchen gerade, woran es gelegen hat.“ Auf der Baustelle ist man der Meinung, dass die provisorisch gekürzten Drahtseile, an denen die Zwischendecke befestigt wurde, an Spannung verloren haben.
Doch auch wenn dieser Schaden momentan für Kummer sorgt, ist er nicht der Grund für den geplanten Umzug. „Das Gebäude ist insgesamt sehr marode, die sanitären Anlagen sind veraltet und gerade im Winter ist es sehr kalt für die ehrenamtlichen Helfer“, zählt die Tafel-Chefin auf. Außerdem habe der Fischereihafen Interesse bekundet an dem großen Gebäudekomplex in attraktiver Lage. „Sie wollen das Filetstück natürlich sanieren und nutzen“, erklärt Vera Pürckhauer. Momentan sei die Tafel dort einzig verbliebene Mieter.
Neue Sammelstelle in Reutershagen
Etwa ein dreiviertel Jahr habe die gemeinnützige GmbH daher nach einem neuen Sitz gesucht. Mit einer ehemaligen Sammelstelle der Post habe man die ideale Lösung gefunden. Nur die Kistenwäsche und die Reinigung der Fahrzeuge soll vorerst im Fischereihafen bleiben. Sie soll in der neuen Zentralküche in Roggentin untergebracht werden, die die Rostocker Stadtmission Anfang 2019 bauen möchte.
Die rund 450 Quadratmeter großen Räumlichkeiten für die neue Sammelstelle in Reutershagen liegen zentral, ebenerdig und sind gut angebunden. Doch es soll noch ein Umbau stattfinden, damit sie den Anforderungen für die Sortierung entsprechen. „Das wird noch einmal einige Zehntausende Euro kosten“, so die Tafel-Chefin.
Rostocker Tafel dankt OZ-Lesern
Kein einfaches Projekt für die gemeinnützige Organisation, die auf Spenden angewiesen ist. Möglich ist dies vor allem auch Dank der großen Weihnachts-Aktion der OSTSEE-ZEITUNG „Helfen bringt Freude“. Im vergangenen Jahr konnten OZ-Leser hier zugunsten der Rostocker Tafel spenden. Mehr als 60 000 Euro sind dabei zusammengekommen. „Das ist wirklich eine grandiose Summe. Da sieht man, was über so viele Kleinspenden möglich ist“, sagt die Geschäftsführerin der Rostocker Tafel. Insgesamt haben 682 Menschen für die Tafel gespendet. Dabei lagen Einzelbeträge zwischen fünf und 400 Euro. „Wir sind dafür sehr dankbar. Es zeigt die tolle Verbundenheit der Menschen zur Rostocker Tafel“, sagt Vera Pürckhauer. Die Tafel sei stets auf Spenden angewiesen. Hier gehe es nicht nur um den Alltag, den die gemeinnützige Organisation stemmen muss.
Doch auch einen weiteren Traum kann sich die Tafel jetzt erfüllen. „Wir wollen jetzt endlich den ältesten Transporter von 2008 austauschen“, sagt Vera Pürckhauer froh. Trotz Zuschuss würde so ein Kühltransporter mehr als 30 000 Euro kosten. „Wenn wir Glück haben, kommt der neue Wagen noch zum Ende des Jahres“, sagt die Tafel-Chefin.
„Vielen Spendern konnten wir eine Spendenbescheinigung für die Steuer und einen Dankesbrief zuschicken“, sagt der Sprecher der Stadtmission. Doch die Adressen von rund 44 Spendern, die mehr als 100 Euro gegeben haben, konnte man nicht ausfindig machen. „Diese können sich auch jetzt noch bei uns melden“, betont Gauck.
von Johanna Hegermann

OZ Rostock, 20.03.2018

Rostocker Tafel fällt Decke auf den Kopf

Rostock. Drei Monate ist es her, dass die OSTSEE-ZEITUNG Spenden für die Rostocker Tafel gesammelt hat. Bei der Weihnachts-Aktion „Helfen bringt Freude“ sind mehr als 60 000 Euro zusammengekommen. Nun steht auch Dank der OZ-Leser der Umzug der Tafel von Marienehe nach Reutershagen bevor. Nur ein Okay der Gewerbestelle fehlen noch. Mehr als ein dreiviertel Jahr hat man nach neuen Räumen gesucht.

Dass es höchste Zeit ist, das marode Gebäude im Fischereihafen zu räumen, hatte sich zuletzt am Freitag gezeigt.

„Dort ist einfach die Decke heruntergekommen. Zum Glück ist niemandem etwas passiert“, erklärt die Tafel-Chefin Vera Pürckhauer. Nun herrscht Ausnahmezustand bei der gemeinnützigen Organisation.


Liebe Spenderinnen und Spender,

vielen Dank, dass Sie im vergangenen Jahr unsere Arbeit mithilfe einer Spende unterstützt haben! Dank Ihrer Hilfe konnten wir eine gute Basis für die Zukunft der Rostocker Tafel und die Arbeit der vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer schaffen. Es ist uns im Rahmen der Weihnachtsaktion Helfen bringt Freude der Ostseezeitung gelungen, Sie als Spenderin oder Spender zu gewinnen.

Wenn Sie mehr über die verschiedenen Zeitungsartikel und Spender*innen erfahren möchten, dann lesen Sie gerne die entsprechenden Berichte durch:

 

Rostock zeigt Herz: 46 000 Euro für die Tafel

Danke für mehr als 257 000 Euro!

Schlussspurt für die Spendenaktion

OZ-Leser geben Geld für die Rostocker Tafel

OZ-Leser geben Geld für die Rostocker Tafel

Die Tafel: „Ohne Transporter geht hier nichts!“

Leser zeigen Herz: OZ-Aktion im Endspurt

Helfen bringt Freude: Fast 30 000 Euro für die Tafel

Abgeordnete füllen Spendentopf

Strandresort will Menschen in der Region helfen

Schule in Kassebohm sammelt rund 130 Geschenke

Reden, Lachen und Essen verteilen

Helfen bringt Freude: Gemeinsam etwas bewegen

Helfen bringt Freude – und schon fast 10 000 Euro

Finanzsenator gibt Geld für Bedürftige

OZ-Gala: Hochgenuss und Hilfsbereitschaft

Helfer sortieren tonnenweise Lebensmittel

Erste Spende für Rostocker Tafel

Christkind helfen der Tafel

Hilfe für die Tafel: Wo die Not am größten ist…

Falls Sie bisher noch keine Spendenbescheinigung erhalten haben, kann das mehrere Ursachen haben: Entweder haben wir Ihre Adresse nicht ausfindig machen können oder Ihre Spende liegt z.B. unter 200,00 €. Dann können Sie bequem Ihren Kontoauszug zur nächsten Steuererklärung über die Spende beifügen. Das Finanzamt akzeptiert diese Möglichkeit. Wenn Sie jedoch gerne eine Spendenbescheinigung erhalten möchten, dann schreiben Sie uns bitte Ihre vollständige Adresse an info@rostocker-tafel.de oder schreiben Sie uns einen Brief mit der Bitte um eine Spendenbescheinigung an die unten stehende Adresse. Wir bemühen uns, Ihnen schnellstmöglich die Spendenbescheinigung zukommen zu lassen.

Vielen Dank nochmals, dass Sie uns unterstützt haben!

Ihre Rostocker Tafel